My life?

Prolog: Wie auf dem Fensterbrett

Vorwort

Ich weiß nicht, wie lange ich das schon vor mir herschiebe. ich wollte das alles schon so lange schreiben, schon so lange aufs Papier bringen und anderen zeigen, wie es wirklich in mir aussieht, damit sie mal verstehen, wie ich bin und warum ich so bin. Ich hab mir mein Leben nicht ausgesucht, das hat sich wohl keiner, auch wenn manche wahrscheinlich ganz zufrieden mit sich und ihrem Leben sind. Klar, das kann man sein, wenn man Geld hat und gesund ist, wenn man immer Freunde hat, weil man reich ist und sich alles leisten kann. Nicht so wie ich. Ich lasse mich auch nicht kaufen.. wer weiß.. vielleicht, weil ich ausverkauft bin? Weil ich nur noch ein Wrack bin, das versucht, sich nicht von den Wesen und dem Wasser am Meeresgrund zernagen zu lassen? Vielleicht ist das der Grund.. wer weiß...

Prolog:
WIE AUF DEM FENSTERBRETT

Früher saß ich auf dem Fensterbrett, und starrte herab in die Tiefe,
ich wünschte mir, dass mich jemand holt, oder jemand nach mir riefe.
Ich wollte Freunde, wollte Spaß,
doch wenn ich allein auf dem Fensterbrett saß,
dachte ich immer, ich verdiene das nicht,
alleine und einsam, das sei meine Pflicht,
und so blieb ich da sitzen, die Sonne verschwand,
der Mond erschien wie von Geisterhand,
und ich blieb da sitzen, ich fühlte mich leer,
unendlich zersetzt wie ein Wrack tief unten im Meer..

Ich wurde älter, reifer, weiser,
versuchte es lauter oder leiser,
irgendwie auf mich aufmerksam zu machen,
wars nun durch motzen oder lachen.
Ich wünschte mir von Herzen einen, der für mich da ist, mich in den Arm hält,
der nicht glaubt, er kann mich ködern mit Geld,
der mir Wärme und Zuneigung gibt,
der mich liebt,
der mich tröstet und mir zuhört,
der mir ganz klar sagt, was ihn stört.

Doch bis er kam, war das Messer mein Freund,
der nahm mir ganz einfach die Einsamkeit.
Brannte die Seele, stach mein Herz,
ein Schnitt, viel Blut und weg war der Schmerz.
Dann saß ich neben dem Fensterbrett, und starrte herab in den Abgrund,
vor dem ich sowieso jeden Tag aufs Neue war, und auf tat sich der riesige Schlund,
ich hatte Angst zu springen, ich hatte Angst zu sterben,
ich wollte den andern den Spaß nicht verderben,
also ließ ich mich quälen, lies mich blamieren,
ich dachte, dass würde jedem passieren.

Er weicht nicht, der Schmerz, der in mir lebt,
seit es das Messer nicht mehr gibt,
ich schwelge in alten Gedanken,
sehe die Sachen, sehe Schranken,
höre den Satz "Sag es keinem",
und nun darf ich wieder weinen..
Ich werde nicht fertig mit all den Plagen,
wie das schmerzt, das kann ich keinem sagen,
denn keiner kann das verstehn, wenn wir reden,
das müssten wohl alle selbst erleben,
ich fühl mich wie Schmutz, ich glaub, ich bin Dreck,
ich bin wertlos und in ein paar Jahren weg...

Doch bis dahin steh ich auf dem Fensterbrett, und starre in den Abgrund, der vor mir ist,
so lange, bis ich den Schritt tue, und falle, und mich jeder Mensch vergisst...

Prolog - Ende

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Erstes Kapitel: Tradition und ihre nicht erwarteten Folgen

Sie war 19, als sie meine Mutter zur Welt brachte.
Aber Ute war nicht willkommen, denn wegen ihr war Hilde gezwungen, den Mann zu heiraten, mit dem sie ihr One-Night-Stand gehabt hatte. Sie kam aus adeligem Hause und es wäre unmöglich gewesen, ein uneheliches Kind aufzuziehen. So zogen Hilde, (inzwischen ihr Ehemann) Reiner und Ute in eine kleine Wohnung. Zwei Jahre später kam ein Junge zur Welt, er wurde Ronny genannt. Doch er war viel willkommener!
Lag das daran, dass er ein Junge war?
Oder daran, dass er nicht der Grund für die Zwangsheirat war?
Jedenfalls wurde er in allen Dingen bevorzugt, er wurde zu Ausflügen mitgenommen, oder in den Urlaub, bekam immer die Geschenke, die er haben wollte und wurde nicht mit Dingen wie "Barbie" zugemüllt. Meine Mutter, die mit 7 sicher nicht daran dachte, dass es mal ein Depressionsbündel wie mich geben könnte, war regelmäßig damit beschäftigt, die Barbies zu enthaupten oder an Stricken aufzuhängen. Sie trug Lederwesten und tat sowieso nur Dinge, die für Mädchen unüblich waren. Die alten Sitten kennt man ja, Mädchen mussten kochen, nähen, Haushalt führen und mit Puppen spielen, während die Männer zur Bundeswehr gingen, oder in ihrer Kindheit und Jugend werkten und auf Bäumen rumturnten.
Wenn Ute etwas falsch machte, gab es Schläge mit dem Kochlöffel oder dem Gürtel.

Dann lernte Ute meinen Vater kennen, sie heirateten und zogen zusammen. Meine Mutter brach ihr Physikstudium ab, als sie schwanger wurden.

"Da kann man doch noch was machen...", meinte meine zukünftige Oma, als sie erfuhr, dass meine Mutter schwanger war. Mit "etwas machen" meinte sie abtreiben. Sie wollte mich nicht. Oder war es einfach die Tatsache, dass auch ihr ein Kind verboten worden war?

Die Geburt verlief natürlich so, dass es meiner Mutter wahrscheinlich immer noch als Trauma nachhängt, die Herzschwäche des Kindes, das sie zur Welt bringen sollte, waren der Grund für einen Kaiserschnitt, der bei ihr ohne Vollnarkose angewandt wurde.
Wie in einem Alptraum erlebte sie mit, dass ihr der Bauch aufgeschnitten wurde und ein blutendes, kleines Baby aus ihrem Bauch geholt wurde.

Dieses Baby war ich. Und so begann ein Leben voller Depression und Missverständnis...